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Biografie und Lebenslauf von Niels Bohr

Steckbrief & Allgemeine Informationen

Niels Bohr Name: Niels Bohr
Geburt: 7. Oktober 1885 in Kopenhagen
Tod: 18. November 1962 in Kopenhagen
Erreichtes Lebensalter: 77 Jahre
Eltern: Christian Bohr, Ellen Bohr (geb. Adler)
Nationalität: Dänemark
Ausbildung: University of Copenhagen
Beruf: Physiker
Fachbereich: Atomphysik
Bekanntestes Werk: The Theory of Spectra and Atomic Constitution (1922)
Familie: Margrethe Nørlund (verh. 19121962)
Auszeichnungen: Nobelpreis für Physik (1922)
Einflüsse: Harald Høffding, Ernest Rutherford

Niels Bohrs Name ist untrennbar mit dem Bohrschen Atommodell verbunden, das ab dem Jahr 1913 die Welt der theoretischen Physik revolutionierte und später zur Weiterentwicklung der Quantenmechanik führte. Der berühmte dänische Physiker und Nobelpreisträger ging jedoch auch als einer jener Wissenschaftler, die am Bau der Atombombe beteiligt waren, in die Geschichte ein.

Kurzbiografie:

Kindheit und Ausbildung:
Niels Henrik David Bohr wurde am 7. Oktober 1885 in eine intellektuell und liberal geprägte Familie in Kopenhagen geboren. Er und sein Bruder, der spätere Mathematiker Harald Bohr wurden von dem Vater, der als Professor der Physiologie tätig war, schon früh dazu angeleitet, sich mit wissenschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Die Mutter Ellen Adler war von jüdischer Abstammung. Im Hause Bohr wurden stets intensive Diskussionen über unterschiedliche Fachgebiete, darunter auch über Physik geführt. Neben ihrer frühen intellektuellen Orientierung waren beide Söhne auch sportlich sehr aktiv und spielten Fußball auf professionellem Niveau.
Niels und Harald Bohr absolvierten ihre Schulausbildung an einer Oberrealschule in Kopenhagen mit Schwerpunkt Latein, die sie mit dem Abitur abschlossen. Nach der Schule nahm Niels Bohr im Jahr 1903 an der Universität in Kopenhagen das Studium der Physik und Mathematik auf, besuchte jedoch auch Vorlesungen in den Fächern Philosophie, Chemie und Astronomie. Im Jahr 1911 promovierte er mit einer Dissertation zu dem Thema "Elektronentheorie bei Metallen".

Berufliche Laufbahn und wissenschaftliche Errungenschaften:
Bereits während seines Studium fiel Niels Bohr durch seinen brillanten Geist auf und erhielt einige Auszeichnungen. Daher fand er noch im Jahr seiner Promotion eine Anstellung im renommierten Cavendish-Laboratorium an der Universität Cambridge, wo er ein Jahr lang unter der Leitung des britischen Physikers und Nobelpreisträgers Joseph John Thomson forschte. Diesem war es bereits im Jahr 1897 gelungen, mithilfe einer Kathodenstrahlröhre Elektronen nachzuweisen. Nach einem Jahr mit Thomson wechselte Niels Bohr nach Manchester, um dort im Labor des berühmten Physikers Ernest Rutherford als dessen Assistent zu arbeiten. Während dieser Zeit löste Niels Bohr ein Problem, dass die Mitarbeiter Rutherfords schon längere Zeit vor der Ankunft des dänischen Physikers beschäftigt hatte. Dabei ging es um Experimente, im Zuge derer das Team um Rutherford herausgefunden hatte, dass Bleiatome leichter waren als jene des Radiums, obwohl sich die beiden Elemente chemisch nicht voneinander unterschieden. Niels Bohr erkannte während seiner Arbeit als Rutherfords Assistent schnell, dass die Eigenschaften der beiden Stoffe nicht durch deren Atomkerne, sondern durch die Elektronen bestimmt wurden. Er veranlasste in Rutherfords Labor einige Experimente, mit denen sich die Elektronen in der Hülle des Wasserstoffatoms nachweisen ließen. In intensiven theoretischen Diskussionen mit Rutherford wies Niels Bohr auch auf die Anwendbarkeit der noch neuen, von Max Planck und Albert Einstein formulierten Quantentheorie hin. Ausgehend davon entwickelte Niels Bohr in den nächsten Jahren das berühmte Atommodell, das nach ihm benannt wurde. Das Bohrsche Atommodell über die festen Bahnen der Elektronen um den Atomkern erklärte die Spektrallinien innerhalb des Wasserstoffs und wurde zu einem der wichtigsten Meilensteine der theoretischen Physik jener Zeit. Heute gilt es jedoch als veraltet, da es später von der Quantenmechanik abgelöst wurde.
Nach seiner Entdeckung wurde ihm im Jahr 1914 in Manchester eine Anstellung als Dozent angeboten. Ab 1916 arbeitete Niels Bohr als Professor für Theoretische Physik an der Universität Kopenhagen, wo er 1921 die Gründung einer eigenen Abteilung, nämlich des Instituts für Theoretische Physik initiierte. Dieses wurde in den folgenden Jahren zu einem der international wichtigsten Zentren der Atomforschung und war Anziehungspunkt für viele führende europäische Physiker der Zwischenkriegszeit. In den Zwanzigerjahren war Niels Bohr auch wiederholt in Göttingen zu Gast, wo er Vorträge hielt, die in der Fachwelt als "Bohr-Festspiele" bezeichnet wurden. Diese machten ihn auf internationaler Ebene bekannt. Im Zuge seiner Besuche in Göttingen lernte Niels Bohr den jungen deutschen Physiker Werner Heisenberg kennen, der später nach Kopenhagen übersiedelte und eng mit Bohr zusammenarbeitete. Im Jahr 1922 wurde Niels Bohr für seine theoretische Arbeit über die Atomstruktur mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Die intensiven theoretischen Diskussionen der beiden führenden Wissenschaftler Niels Bohr und Werner Heisenberg wurden als die "Kopenhagener Deutung der Quantenphysik" bezeichnet und führten dazu, dass Niels Bohr das Komplementaritätsprinzip über das Verhalten von Licht in Form von Teilchen und Wellen entwickelte. In den Dreißigerjahren befasste sich Niels Bohr vor allem mit der Kernphysik und entwickelte ab 1935 das sogenannte "Tröpfchenmodell" der Atomkerne, mit dem er eine schlüssige Erklärung für viele nukleare Abläufe lieferte. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte er, basierend auf der Arbeit von Otto Hahn und dessen Assistent Fritz Straßmann eine Theorie der Kernspaltung entwickelt, die später die technische Nutzung derselben möglich machte. Nach der Besetzung Dänemarks durch die Nazis engagierte sich der hochangesehene Physiker zunächst im Widerstand, sah sich jedoch aufgrund seiner halbjüdischen Abstammung und seiner Ehe mit einer Jüdin gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Nach der Flucht in einem Fischerboot, die ihn und seine Familie erst nach Schweden und Großbritannien führte, emigrierte Niels Bohr schließlich in die Vereinigten Staaten.
Dort erfuhr er im Jahr 1943 von den Fortschritten, die die Alliierten auf dem Gebiet der Atomforschung bereits gemacht hatten. Er reiste mit seinem Sohn Aage nach Los Alamos, um dort in der letzten Phase des Baus der Atombombe mitzuwirken.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm er seine Tätigkeit an dem von ihm gegründeten Institut in Kopenhagen wieder auf und setzte sich in den nächsten Jahren wiederholt für eine friedliche Nutzung der Atomkraft ein, unter anderem mit der Organisation der Ersten Internationalen Konferenz in Genua. Dafür wurde er im Jahr 1957 mit dem "Atom for Peace Award" ausgezeichnet. Am 18. November 1962 starb Niels Bohr in Kopenhagen und wurde dort auf dem Assistenzfriedhof zur Ruhe gebettet. Im Jahr 1997 wurde das Element 107 Niels und Aage Bohr zu Ehren offiziell in "Bohrium" umbenannt.

Privates:
Noch während seiner Zeit als Assistent von Ernest Rutherford reiste Nils Bohr nach Kopenhagen zurück, um dort Margarete Noerlund zu heiraten. Aus der glücklichen Ehe mit ihr gingen insgesamt sechs Söhne hervor. Der älteste Sohn Christian kam im Jahr 1934 bei einem Segelausflug ums Leben. Im Jahr 1922, als Niels Bohr mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde, erblickte sein Sohn Aage Niels Bohr das Licht der Welt. Er trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls ein bekannter Physiker, der seinerseits für seine Entdeckungen über Teilchenbewegungen in Atomkernen im Jahr 1975 mit dem Nobelpreis geehrt wurde.
Niels Bohr wird heute auch für die Rettung von unzähligen Menschen jüdischer Abstammung verantwortlich gemacht. Nach seiner Flucht aus Dänemark hielt er sich einige Zeit in Schweden auf, wo er den schwedischen König in einem persönlichen Gespräch davon überzeugen konnte, über siebentausend Juden Asyl zu gewähren.

Seine Zusammenarbeit und enge Freundschaft mit dem deutschen Physiker Werner Heisenberg führte in den Zwanzigerjahren zur Begründung der Quantenmechanik. Die politischen Entwicklungen vor dem Zweiten Weltkrieg entzweiten diese äußerst fruchtbare Arbeit. Während Nils Bohr auf US-amerikanischer Seite am Bau der Atombombe mitwirkte, wurde Werner Heisenberg für das Nuklearprogramm der Nazis tätig. Damit kam es zu einem Bruch zwischen den beiden Wissenschaftlern, den der Dramatiker Michael Frayn in seinem höchst erfolgreichen Theaterstück "Kopenhagen" verarbeitete.

Lebenslauf:

1885: Niels Bohr wird am 7. Oktober 1885 in Kopenhagen geboren.
1903: Studium der Physik und Mathematik an der Universität Kopenhagen.
1911: Promotion zum Thema "Elektronentheorie bei Metallen".
1911 - 1912: Arbeitsstelle im Cavendish-Laboratorium an der Universität Cambridge.
1912: Zusammenarbeit mit Ernest Rutherford in Manchester.
1912: Heirat mit Margarete Noerlund. Sechs Kinder gehen aus dieser Ehe hervor.
1913: Bohr entwickelt das nach ihm benannte "Bohrsche Atommodell".
1916 - 19xx: Professor für Theoretische Physik an der Universität Kopenhagen.
1920er: Enge Zusammenarbeit mit dem deutschen Physiker Werner Heisenberg.
1922: Nobelpreis für Physik für seine Forschung zur Struktur der Atome.
1938: Verleihung der Copley-Medaille.
1943: Flucht vor den Nationalsozialisten nach Schweden. Später Emigration in die USA.
1945: Anwesenheit in Los Alamos. Über Bohrs Rolle beim Atombombenbau ist wenig bekannt.
1946: Nach Kriegsende Rückkehr nach Kopenhagen, Dänemark.
1957: Verleihung des "Atoms for Peace Award".
1962: Niels Bohr stirbt am 18. November in Kopenhagen.

Empfehlenswerte Literatur zu Niels Bohr: